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Verzug: Rechenbeispiele zum Verzugszins

Nach den beiden Artikeln „Verzug: Wie entsteht er?“ und „Verzug: Höhe der Verzugszinsen“ hier jetzt noch ein paar Rechenbeispiele, um zu erläutern, wie sich der Verzugszins errechnet.

Gerechnet wird immer wie folgt:

Offene Schuld x Verzugszinssatz / 100 = Verzugszins 

Möchte man wissen, wie hoch der Verzugszins pro Tag ist,
teilt man das Ergebnis der vorherigen Zeile durch 365 Tage.

Grundlage für den Verzugszins ist immer nur die Schuld, die am jeweiligen Tag noch offen ist.

Beispiel 1:
Da er die Raten für seinen Betriebsmittelkredit nicht pünktlich bezahlt, kündigt die Bank B Schuldner S am 15.02.2011 den Betriebsmittelkredit. Laut Kündigungsschreiben soll S den gesamten Restbetrag von 10.000 Euro bis zum 31.03.2011 zurückbezahlen. Das kann S nicht. Wie hoch ist der Verzugszins, den er bezahlen muss?

Die Bank hat ihre Darlehensforderung auf ein bestimmtes Datum, nämlich den 31.03.2011, fällig gestellt, was zulässig ist. Damit bedarf es keiner Mahnung, damit S in Verzug kommt, sondern die Leistung ist auf einen Kalendertag fällig. Unterstellt, dass die Kündigung wirksam ist, beginnt damit der Vezugszins am 01.04.2011 zu laufen. Bis zum 31.03.2011 gilt noch der alte vertragliche Darlehenszins.

S zahlt damit ab dem 01.04.2011 den dann geltenden Verzugszins. Der Satz beträgt 8 %-Punkte über dem Basiszinssatz, da weder S noch B Verbraucher sind. Aktueller Basiszinssatz liegt bei 0,12 %, zusammen sind also in diesem Fall 8,12% zu zahlen.

Damit kostet S der Darlehensrückstand von 10.000 Euro 812 Euro pro Jahr oder 2,22 Euro pro Tag.
(10.000 Euro x 8,12 % / 100 bzw. (10.000 Euro x 8,12 % / 100 / 365 Tage).

Beispiel 2:
S hat für seinen achtzehnjährigen Sohn einen Pkw gekauft, den er über einen Ratenkredit seines Autohauses A zurückzahlt. Auch hier ist er im Rückstand, der Ratenkredit über 5.000 Euro wird am 15.02.2011 gekündigt. A fordert S zur sofortigen Rückzahlung auf.
Ab wann schuldet S Verzugszinsen?

A hat S kein konkretes Datum gesetzt, bis zu dem er zurückzuzahlen hat. Wir unterstellen, dass sich auch aus dem Vertrag nichts dazu ergibt, zu welchem Datum die Rückzahlungsverpflichtung geschuldet ist, S befindet sich somit – obwohl der Vertrag gekündigt ist – noch nicht im Verzug. Erst wenn A mahnt und S ein konkretes Datum zur Rückzahlung setzt, gerät S ab diesem Datum in Verzug.

Schreibt A den S also am 20.02.2011, dass er bis zum 31.03.2011 zu zahlen habe, zahlt S aber immer noch nicht, ist er ab 01.04.2011 im Verzug und zahlt ab diesem Datum den dann geltenden Verzugszins. Der Satz beträgt 5 %-Punkte über dem Basiszinssatz, da S das Fahrzeug privat gekauft und finanziert hat und deshalb in Bezug auf dieses Geschäft als Verbraucher behandelt wird. Insgesamt zahlt S aktuell daher einen Verzugszins von 5,12%. Damit kostet S der Darlehensrückstand von 5.000 Euro 256 Euro pro Jahr oder 0,70 Euro pro Tag.

Beispiel 3:
Schuldner S bestellt im Rahmen seines Unternehmens Waren für 5.000 Euro. Lieferant L liefert am 10.11.2010. Die Rechnung über 5.000 Euro datiert vom gleichen Tag, S erhält sie zusammen mit der Lieferung. S bezahlt zunächst nicht. Am 25.01.2011 erhält der S von L eine Mahnung, er solle bis 05.02.2011 bezahlen. Die Kaufpreiszahlung erfolgt am 17.03.2011. Ab wann kann L Verzugszinsen in welcher Höhe verlangen?

S befand sich ab 11.12.2010 im Verzug. Er hat nämlich am 10.11.2010 eine Rechnung erhalten. 30 Tage nach Rechnungserhalt tritt zwischen Unternehmern Verzug automatisch ein, ohne dass es einer gesonderten Mahnung bedurfte. L kann also vom 11.12.2010 bis 17.03.2011 Verzugszinsen verlangen.

Weder L noch S sind Verbraucher, daher beträgt der Verzugszinssatz 8 %-Punkte über Basiszinssatz. Da sich der Basiszins seit 01.07.2009 nicht mehr geändert hat, sondern stetig 0,12% beträgt, ist bei der Berechnung nichts weiteres zu beachten.

So ist der Rechenweg:
11.12.2010 – 17.03.2011 = 19 Zinstage im Dezember, 31 im Januar, 28 im Februar, 17 im März = 214 Zinstage insgesamt
5.000 Euro x 8,12 % / 100 / 365 Tage x 214 Zinstage = 238,04 Euro

Gesetzlich vorgesehen ist allerdings, dass der Basiszinssatz jeweils zum 01.01. und zum 01.07. angepasst wird. In diesem Fall müsste man getrennt pro Zinsperiode rechnen.

Hinweis:
Falls L bei seiner Bank einen Überziehungskredit in Anspruch nimmt und dieser höher ist als die Forderung gegenüber S, kann er S seinen Überziehungszinssatz weiterberechnen, den er selbst an seine Bank zahlen muss. Zahlt L an seine Bank also höhere Zinsen als den gesetzlichen Verzugszinssatz, kann er sich hierfür bei S schadlos halten.

Beispiel 4:
Kaufmann S schuldet dem Lieferanten L aus einer Rechnung 5.000 Euro. Die Forderung ist seit 01.10.2010 fällig. Am 01.11.2010 hat L eine Teilzahlung über 1.000 Euro geleistet, am 01.02.2011 wurden weitere 1.000 Euro bezahlt. Jetzt möchte L wissen, wie hoch der Verzugszins bis heute (01.03.2011) ist.

Rechenweg:
01.10.2010: Hauptforderung 5.000 Euro
01.11.2010: Zahlung 1.000 Euro
8,12 % Zins für 31 Zinstage (01.10.2010 – 31.10.2010) = 34,48 Euro
Zahlung 1.000 Euro wird verrechnet:
1) offener Zins – 34,48 Euro
2) Restbetrag auf Hauptforderung

01.11.2010: Stand Hauptforderung 4.034,48 Euro, Stand Zinsen 0,00 Euro
01.02.2011: Zahlung 1.000 Euro
8,12 % Zins für 30 + 31 + 31 Zinstage (01.11.2010 – 31.01.2011) = 82,57 Euro
Zahlung 1.000 Euro wird verrechnet:
1) offener Zins – 82,57 Euro
2) Restbetrag auf Hauptforderung

01.02.2011: Stand Hauptforderung 3.082,57 Euro, Stand Zinsen: 0,00 Euro
01.03.2011: Prüfung Forderungsbestand:
8,12 % Zins für 28 Zinstage (01.02.2011 – 28.02.2011) = 19,20 Euro
Stand Hauptforderung 3.082,57 Euro, Stand Zinsen: 19,20 Euro
Täglich kommen 0,69 Euro an Verzugszinsen hinzu, sogenannter Tageszins.

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