Gesellschaftsrecht, Lösungen für Geschäftsführer, Lösungen für Gesellschafter, Lösungen für Gläubiger

Alleingeschäftsführer darf seine GmbH nicht schädigen

Wenn ich eine GmbH gründe, deren alleiniger Gesellschafter und Geschäftsführer ich bin, sollte man ja meinen, dass ich in und mit der Gesellschaft machen darf, was ich will.

Radio Eriwan: Im Prinzip ja, aber…

Das gilt nur dann, wenn ich dadurch nicht die Gläubiger der Gesellschaft schädige. Wechselt also der Geschaftsführer später, sei es durch einen Unternehmensverkauf, sei es durch Insolvenz, kann das Handeln des Geschäftsführers auf den Prüfstein gelegt werden, falls die Gesellschaft mit dem Schadenersatz ihre Gläubiger bezahlen kann. Besonders spannend ist das ganze natürlich für einen Gläubiger, der einen Titel gegen das Unternehmen hat und der um so einen Anspruch weiß, wenn das Insolvenzverfahren mangels Masse abgewiesen wird. Dann kann er nämlich den Schadenersatzanspruch der GmbH gegen ihren Geschäftsführer pfänden – und muss nicht mit den anderen Gläubigern teilen. Aber auch beim Unternehmenskauf kann man auf diesem Weg möglicherweise das Unternehmen retten.

Der BGH hat jetzt aktuell entschieden, dass man vom Geschäftsführer nicht erwarten kann, dass er sich selbst gegenüber Haftungsansprüche durchsetzt. Das hört sich vernünftig an – führt aber nach Meinung des BGH konsequenterweise dazu, dass die Verjährung des Haftungsanspruchs erst dann zu laufen beginnt, wenn der Alleingeschäftsführer sein Amt beendet und jemand anderer es übernimmt, der den Haftungsanspruch zugunsten der GmbH erkennen kann. Das wiederum bedeutet, dass Schadenersatzansprüche gegen Alleingeschäftsführer auch noch Jahre nach der schädigenden Handlung durchgesetzt werden können.
Dann wenn der Unternehmenskäufer oder der Insolvenzverwalter oder der Gläubiger ein kritisches Auge auf das Handeln des früheren Alleingeschäftsführers werfen können.

Das ist der Preis dafür, dass man eine GmbH gründet, um persönlich nicht für die Verbindlichkeiten des Unternehmens zu haften.
(BGH 15.3.2011, II ZR 301/09)

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