Bankrecht, Lösungen für Gläubiger, Lösungen für Unternehmer

Erfolgreiche Jagd: Pfändung des Übererlöses aus der Zwangsversteigerung

Heute hatte ich ein inneres Volksfest mit Lampionbeleuchtung. Ich bin schon seit geraumer Zeit einer Schuldnerin auf der Spur, die einem Mandanten von mir ein Auto abgekauft und nie bezahlt hatte. Offen stehen rund 15.000 Euro, da darf man schon mal nachtragend sein als Gläubiger.

Was nicht geklappt hat: Übliche Vollstreckungsversuche

Wie üblich hat sich die Schuldnerin „gesetzlich eingerichtet“; bisherige Vollstreckungsversuche (Gerichtsvollzieher, Pfändung beim Arbeitgeber etc.) waren daher vollkommen erfolglos.

Nun hat ihre Bank ihr Grundstück versteigert. Aus der Versteigerung haben wir trotz unserer Zwangssicherungshypothek nichts erlangt, weil die Bankforderung dafür zu hoch war.

Trotzdem hat die Bank uns nun über 11.000 Euro für den Mandanten überwiesen :-).

Wie kam das?

Wie nicht allzu viele wissen, darf die Bank sich bei der Zwangsversteigerung soviel vom Versteigerungserlös holen, wie ihr aufgrund ihrer dinglichen Sicherheit zusteht. Üblicherweise also den Grundschuldnominalbetrag + einmalige Nebenforderung + ca. 4,5 x den Grundschuldzinsbetrag (wie sich die 4,5 zusammensetzen, erkläre ich ein anderes Mal, das nehmen wir jetzt mal als Rechengröße so hin, hier geht es nur um die grobe Dimension).

Bei einer Beispielsgrundschuld von 100.000 Euro zzgl. Nebenforderung von 5% und 18% Verzinsung p.a. seit 01.01.2000 erhält die Bank also aus der Versteigerung

100.000 + 5.000 + (18.000 x 4,5) = 186.000 Euro.

Nun ist es ja so, dass in der Regel – um im Beispiel zu bleiben – eine Grundschuld über 100.000 Euro bestellt wird, um ein Darlehen von 100.000 Euro zu sichern.
Die Bank hat also aus dem Darlehensvertrag von der Schuldnerin nur die 100.000 Euro zu bekommen zuzüglich der zu leistenden Zinsen und eventueller Kosten abzüglich der bereits geleisteten Zahlungen.

Wird das Darlehen, z.B. wegen eines Darlehensrückstands, gekündigt, ist es also naheliegend, dass die Forderung der Bank kleiner ist als 100.000 Euro, weil die Schuldnerin ja normalerweise nicht sofort mit ihren Zahlungen in Rückstand gerät.

Also:

Einerseits Erlös der Bank aus der Zwangsversteigerung aufgrund der Grundschuldeintragung im Grundbuch: 186.000 Euro (oder weniger, wenn der Versteigerungserlös niedriger ist) ./. Gerichtskosten für die Versteigerung

Andererseits Anspruch der Bank aufgrund des Darlehensvertrags: ca. 100.000 Euro (zzgl. Verzugszinsen und Vollstreckungskosten)

Wenn der Versteigerungserlös hoch genug ist, ist es also nicht unwahrscheinlich, dass die Bank aus der Versteigerung mehr bekommt, als ihr nach dem Darlehensvertrag zusteht.

Darf die Bank dann den Diffenzbetrag, also den sogenannten „Übererlös“, behalten?

Nein, natürlich nicht. Sie darf nur behalten, was ihr nach dem Darlehensvertrag zusteht. Im Beispiel also

Versteigerungserlös (./. Gerichtskosten)
abzüglich Ansprüche aus dem Darlehensvertrag.

Den Rest muss sie der Schuldnerin auszahlen.

Diesen Anspruch auf Auszahlung des Übererlöses der Schuldnerin gegen die Bank habe ich durch einen gerichtlichen Pfändungs- und Überweisungsbeschluss für unseren Mandanten gesichert und nun haben wir die Früchte geerntet.

Zugegeben: Auch Glück gehabt

Wie häufig bei der Jagd, braucht man auch Glück. Hier lag dieses darin, dass das Grundstück einen vernünftigen Erlös in der Versteigerung erzielt hat, und dass die Bankforderungen tatsächlich nicht mehr so hoch waren, so dass es überhaupt einen Übererlös gab.

Wie oben dargestellt, ist dieser Ausgang aber gar nicht so unwahrscheinlich, wie man im ersten Moment annehmen möchte. Im Verhältnis zum Erlös ist das Kostenrisiko für diese Vollstreckungsmaßnahme relativ gering. Die Gesamtkosten für den Pfändungs- und Überweisungsbeschluss beliefen sich auf nicht einmal 300 Euro für uns, das Gericht und die Zustellung durch den Gerichtsvollzieher.

Insgesamt ein sehr zufriedenstellendes Ergebnis.

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2 Gedanken zu “Erfolgreiche Jagd: Pfändung des Übererlöses aus der Zwangsversteigerung

  1. „Wie häufig bei der Jagd, braucht man auch Glück“, schreiben Sie. Da haben Sie natürlich recht. Glück haben Sie aber vor allem deshalb gehabt, weil Ihnen nicht längst ein anderer Gläubiger durch Pfändung des Rückgewähranspruchs zuvorgekommen war (und sich der schlimme Fehler, diesen Anspruch nicht gleichzeitig mit der Zwangshypothek selbst gepfändet zu haben, deshalb nicht schädlich ausgewirkt hat).

    • Nein, das war kein Glück :-). Der Mandant hatte die Zwangshypothek selbst veranlasst und kam zu mir, weil er wollte, dass ich ihn im Versteigerungsverfahren begleite. Die Pfändung des Rückgewähranspruchs und des Übererlöses waren meine erste Maßnahmen, neben der Versteigerung. Ihr Hinweis ist natürlich trotzdem richtig, dass – wie das Beispiel ja auch zeigt – eine nachrangige Zwangssicherungshypothek ohne die zusätzlichen Maßnahmen nicht ausreicht.

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