Gesellschaftsrecht, Lösungen für Erben, Lösungen für Unternehmer, Unternehmensnachfolge

Der Notfallkoffer (Testament, Vorsorgevollmacht) – notariell beurkunden oder nicht?

Gerade Menschen, bei denen der Tod statistisch gesehen noch weit entfernt sein sollte, überlegen bei der Zusammenstellung von Testament und Vorsorgevollmacht häufig, ob sie dafür zum Notar gehen sollen oder ob die Dinge nach einer anwaltlichen Beratung – vorerst – nicht auch privatschriftlich abgefasst werden können (dass Anwalt und Notar nebeneinander Platz haben, hatte ich vor längerer Zeit schon einmal hier beleuchtet).

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Lösungen für Erben, Unternehmensnachfolge

Hilfe, ich habe ein Unternehmen geerbt

Steuerberater und Anwälte werben dafür, dass Unternehmer sich frühzeitig um ihr Testament kümmern und alle notwendigen Vollmachten erteilen, damit im Notfall das Unternehmen handlungsfähig bleibt.

Was aber, wenn der Unternehmer / die Unternehmerin sich konsequent diesem Thema entzieht? Mir sind in letzter Zeit einige Fälle begegnet, in denen der Unternehmer bei einer tödlichen Krankheit bis zum Schluss geglaubt hat, dass er überlebt – und dann ohne jegliche Regelung gestorben ist.

Wenn ein Testament fehlt

Ohne Testament gilt die gesetzliche Erbfolge. Es erben also der Ehepartner und die Kinder. Gibt es keine Kinder, erben neben dem Ehepartner die Eltern des Verstorbenen. Die Erben bilden zusammen eine Erbengemeinschaft. Prinzipiell trifft die Erbengemeinschaft ihre Entscheidungen einstimmig.

Die Erbengemeinschaft setzt sich also meist aus sehr unterschiedlichen Menschen zusammen, die noch dazu häufig unterschiedlichen Generationen angehören. Diese Menschen trauern um den gestorbenen Angehörigen. Sie müssen sich gleichzeitig damit auseinandersetzen, ob und wie das Unternehmen fortgeführt wird – und sie müssen sich darüber einig werden, bevor Entscheidungen getroffen werden. Außerdem gibt es auch noch das Umfeld, also zum Beispiel Eltern des Verstorbenen, die vielleicht mitreden möchten, selbst wenn sie nicht geerbt haben (oder gar, weil sie nicht geerbt haben, und es ungerecht finden, dass das ungeliebte Schwiegerkind das Familienunternehmen erbt). Viel Konfliktstoff, sehr viele Emotionen.

6 Wochen Zeit hat man, um sich zu entscheiden, ob man die Erbschaft annimmt oder ausschlägt, ob man also wirklich Erbe sein möchte oder aufs Erbe verzichtet. Um diese Entscheidung sinnvoll treffen zu können, muss man erst einmal herausfinden, wie die wirtschaftliche Lage des Nachlasses ist. Je nach Zustand der Buchhaltung kann das schwierig sein. Außerdem kann das Unternehmen natürlich nicht so lange ohne Führung bleiben; häufig fällt die Entscheidung darüber, dass man fortführt, also sehr viel schneller.

In dieser Situation – Trauer, möglicherweise Konflikt, auf jeden Fall Zeitdruck – kommt es darauf an, sich schnell die richtigen Berater zu suchen. Es ist sehr hilfreich, wenn man alle Fragen mit einem professionellen Ansprechpartner besprechen kann, der nicht selbst betroffen ist, und der in komplizierten Situationen den Überblick  behält.

Wichtig ist, dass der Erbe / die Erbin sich bewusst macht, dass es völlig normal ist, dass in solch einer Lage der Weg holprig ist. Es handelt sich um eine Ausnahmesituation und es ist sehr unwahrscheinlich, dass man sich in dieser Ausnahmesituation ausgeglichen und entspannt fühlt. Akzeptiert man dies und passt die eigene Erwartungshaltung daran an, reduziert das den Stresslevel sehr.

Wie weist man nach, Erbe geworden zu sein

Mit dem Tod geht das Unternehmen in der Regel automatisch auf den Erben oder die Erbengemeinschaft über. Es gibt ein paar Sondersituationen, wenn der Gesellschaftsvertrag des Unternehmens den Übergang auf die Erben nicht zulässt, aber diese seien hier nicht behandelt.

Gibt es kein öffentliches Testament, benötigen die Erben einen Erbschein, um den Nachweis führen zu können, dass das Unternehmen übergegangen ist. Der Erbschein wird beim Nachlassgericht beantragt, das Verfahren dauert mindestens 6 – 8 Wochen.

Das ist der Grund, weswegen Steuerberater und Rechtsanwälte so dafür werben, dass der Unternehmer wenigstens für ausreichende Vollmachten für den Krankheits- oder Todesfall sorgt. Gibt es diese, kann das Unternehmen aufgrund der Vollmachten fortgeführt werden solange bis der Erbschein erteilt ist. Gibt es keine Vollmacht, wird es schwierig. Z.B. die Bank des Unternehmens wird in der Regel auf der Vorlage des Erbscheins (oder des Eröffnungsprotokolls eines öffentlichen Testaments) bestehen, bevor sie Verfügungen über die Konten des Erblassers zulässt.

Dann muss man improvisieren. Auch hier hilft es, Berater mit Erfahrung zu haben, mit denen gemeinsam die Erben auch in scheinbar ausweglosen Situationen Lösungen organisieren.

Zusammengefasst: Gibt es kein Testament und keine Vollmacht, bringt dies die Erben eines Unternehmens in eine schwierige Lage. Sie zahlen den Preis dafür, dass der Unternehmer nicht rechtzeitig in vorausschauende Gestaltung investiert hat.

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Lösungen für Erben, Lösungen für Unternehmer, Unternehmensnachfolge

Ewig Juniorchef? Hilfe für Unternehmerkinder

Was soll ich als Unternehmerkind oder Mitarbeiter machen, wenn ich das Unternehmen gern übernehmen würde, aber der Senior oder die Senioren es nicht hergibt? Viele verabschieden sich irgendwann vom Unternehmen – oder leiden, je nach Temperament, laut oder leise. Eine Lösung für das Unternehmen ist das nicht.

Fakt ist, dass man niemanden zwingen kann, den Stab im Unternehmen vor dem eigenen Tod abzugeben. Fakt ist auch, dass das Unternehmen zumindest ab einem bestimmten Alter des Seniors / der Seniorin dadurch beschädigt wird.

Wenn die Lage so ist – und man aus welchen Gründen auch immer – als „ewiger Juniorchef“ das Unternehmen nicht verlassen kann oder will, gibt es folgende Maßnahmen, die die eigene Lage verbessern:

* Notfallvorsorge treffen: Sorgen Sie dafür, dass für den Ernstfall ausreichende Vollmachten zumindest vorbereitet sind und lassen Sie sich dazu beraten. Auch wenn die Senioren sie jetzt nicht unterschreiben – wenn es im Krankheitsfall schnell gehen muss, sind sie griffbereit. Lassen Sie die Vollmachten so vorbereiten, dass der Senior die Wahl hat, wen er womit bevollmächtigt. Er soll ja nicht das Gefühl haben, dass Sie seine Krankheit ausnützen.

* Suchen Sie Verbündete: Häufig machen der Steuerberater und die anderen Mitarbeiter sich dieselben Sorgen wie Sie. Lamentieren Sie nicht gemeinsam, sondern versuchen Sie dafür zu sorgen, dass der Senior / die Seniorin zumindest ein sinnvolles Testament schreibt. Argument hierfür kann oft sein, dass ein falsches Testament ein Vermögen an Erbschaftssteuer kostet. Das kann der Steuerberater vorrechnen.
Auch hier gilt wieder: Die Senioren sollen nicht den Eindruck haben, dass es Ihnen darum geht, an die Fleischtöpfe zu kommen. Stellen Sie das Überleben des Unternehmens in den Vordergrund – und meinen Sie es auch so.

* Versuchen Sie herauszufinden, was den Senior / die Seniorin wirklich davon abhält, den Stab weiterzugeben. Man kann dazu viel pauschales sagen oder vermuten. Sie haben nur dann die Chance, eine Lösung für diese Blockade zu finden, wenn sie erfahren, woran es wirklich liegt. Hat er Angst vor dem Bedeutungsverlust, wenn er nicht mehr Chef ist? Oder traut sie niemandem außer sich die Unternehmensführung zu? Suchen Sie nach kreativen Wegen, um ihm / ihr zu zeigen, dass das Leben „auf dem Rentnerbänkchen“ attraktiv ist.
Suchen Sie einen Berater, der auf Unternehmensnachfolge spezialisiert ist, und schlagen Sie vor, dass Sie sich gemeinsam unverbindlich beraten lassen, welche Möglichkeiten es überhaupt gibt, die Übergabe zu regeln. Vielleicht finden Sie ja ein Modell, das den Senior / die Seniorin überzeugt.

* Sorgen Sie für sich. Sie sind für Ihre Einstellung zur Situation selbst verantwortlich.
Sie sind möglicherweise extrem frustriert, dass der Seniorchef seine ganz eigenen Vorstellungen davon hat, wer wann sein Nachfolger werden soll. Aber: Es ist sein Unternehmen, er hat es aufgebaut, und tatsächlich ist es sein Recht, solange zu bleiben wie er will. Es nützt überhaupt nichts, damit zu hadern, dass die Machtverhältnisse so sind, wie sie sind. Finden Sie sich damit ab, dass Sie das nicht ändern können, auch wenn es in Ihren Augen eine falsche Entscheidung ist und dem Unternehmen schadet.

Schauen Sie stattdessen, wo Ihre Macht liegt. Suchen Sie sich im Unternehmen einen Platz, an dem Sie sich wohl fühlen und die Anerkennung bekommen, die Sie verdienen. Gehen Sie in Netzwerke, bauen Sie Kontakte auf, entwickeln Sie sich weiter, suchen Sie sich ggf. einen Coach, der Sie darin unterstützt. Machen Sie Ihr Glück davon unabhängig, wann Sie Chef sein werden. Theoretisch könnten Sie vor den Senioren sterben, dann sollten Sie Ihr Leben gelebt haben.

* Informieren Sie sich rechtzeitig, was zu unternehmen ist, wenn der Senior / die Seniorin stirbt. Ist das Unternehmen überschuldet, müssen Sie möglicherweise die Erbschaft ausschlagen (Frist von 6 Wochen!) oder Nachlassverwaltung oder Nachlassinsolvenz beantragen, um eine eigene Haftung zu vermeiden. Wenn Sie sich mit dem Gedanken schon einmal näher beschäftigt haben, wissen Sie im Ernstfall was zu tun ist.

* Sie haben alles ausprobiert, es bewegt sich aber immer noch nichts, und Sie erkennen, dass das Unternehmen so nicht mehr sehr lange weitermachen kann.

Dann machen Sie diesen Standpunkt dem Senior in einem ruhigen Gespräch klar. Respektieren Sie seinen Unwillen, sich vom Unternehmen zu verabschieden – das darf er. Erbitten Sie umgekehrt Respekt für Ihre Entscheidung, das Unternehmen zu verlassen, wenn die Übergabe nicht bis zu einem bestimmten Datum geregelt ist. Das sollte sich weder wie ein Ultimatum noch wie eine Drohung anhören; schon gar nicht sollte es ein Liebesentzug sein. Sie kündigen nur Konsequenzen an, weil Sie verantwortlich für sich selbst handeln und nicht für ein Unternehmen arbeiten wollen, das nicht unternehmerisch geführt wird. Seien Sie konsequent.

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Lösungen für Unternehmer, Uncategorized, Unternehmensnachfolge

Notfallkoffer für Unternehmer – so stellen Sie ihn endlich zusammen

Haben Sie auch schon einen Notfallkoffer?

Der Bankmitarbeiter händigt Ihnen einen Notfall-Ordner mit vielen Registerblättern aus, der Steuerberater legt Ihnen ans Herz, sich damit auseinander zu setzen, vom Versicherungsvertreter bekommen Sie eine Checkliste – und das alles liegt dann auf dem Haufen des schlechten Gewissens. Das ist der Papierstapel im Büro oder gar im Wohnzimmer, den Sie immer mal wieder anschauen, aber nie den Mut finden, ihn wirklich anzufangen.

So geht es also nicht. Wie geht es dann?

Zumindest für die Mandanten unserer Kanzlei haben wir eine Lösung gefunden:

Wir besprechen mit ihnen, was überhaupt in den Notfallkoffer gehört. Wir diskutieren mit ihnen und am liebsten auch mit ihrer Partnerin / ihrem Partner, welche Vollmachten sie wirklich brauchen, und was es sonst noch alles für spontane oder absehbare Notfälle zu regeln gibt. Bei Unternehmern ist auch oft der Steuerberater dabei, denn von ihm erhalten wir häufig wichtige Informationen, da er als dauernder Berater das Unternehmen gut kennt.

Das Gespräch dauert 2 bis 3 Stunden. Und: was die Mandanten unserer Kanzlei immer wieder erstaunlich finden – es wird viel gelacht dabei, wenn auch manchmal Galgenhumor dabei ist. Danach haben sie noch keinen fertigen Unternehmernotfallkoffer. Aber sie haben eine Liste, was sie noch heraussuchen müssen, um ihn zusammenzustellen. Und sie haben einen Hausaufgabenzettel, worüber sie gemeinsam mit ihrer Partnerin / ihrem Partner nachdenken müssen, um festzustellen, wie sie ihre Vorsorge wirklich konkret regeln wollen. Das kann die Frage sein, wer im Ernstfall für das Unternehmen als Ansprechpartner zur Verfügung stehen könnte, wenn der Chef spontan ausfällt, aber auch, wer für die betagten Eltern als Ersatz-Betreuer in Betracht kommt. Wir nähern uns den ungeliebten Themen gemeinsam – und dann sind sie nur noch halb so erschreckend.

Am Ende haben die Mandanten dann einen gefüllten Notfallordner, in dem alle wichtigen Dokumente geordnet und griffbereit sind – und sie wissen sicher, dass er vollständig ist. Die notwendigen Vollmachten sind erstellt, meist gibt es nun auch ein Testament oder einen Erbvertrag.

Wie sagte kürzlich eine Mandantin zu mir: „Oh, Frau Hübner, ich bin so froh, dass Sie das gemeinsam mit uns machen.“

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Lösungen für Gesellschafter, Lösungen für Unternehmer, Unternehmensnachfolge

Gütertrennung bei Unternehmern

Viele Unternehmer haben mit ihren Ehepartnern Gütertrennung vereinbart. Dies soll das Unternehmen im Scheidungsfalle schützen; möglicherweise soll es auch den Zugriff von Unternehmensgläubigern auf den nichtunternehmerischen Ehepartner vermeiden.

Nicht allen Ehepaaren ist bewusst, welche Auswirkungen die Gütertrennung, die sie miteinander vereinbart haben, auf die Pflichtteilsquote ihrer Kinder hat.

Nehmen wir das klassische Paar: Er ist Unternehmer, sie hat zwar immer mitgearbeitet, ist aber nicht am Unternehmen beteiligt. Dafür gehört ihr das Immobilienvermögen. Die beiden haben zwei Kinder. Die beiden haben sich wechselseitig zu Erben eingesetzt. Sowohl das Unternehmen als auch die Immobilien sind jeweils 2 Mio. Euro wert.

Was passiert nun, wenn einer von beiden stirbt?

Bestünde der gesetzliche Güterstand der Zugewinnausgleich, würden beide Kinder im Falle einer Erbschaft lediglich eine Pflichtteilsquote von 1/8 geltend machen können. Besteht dagegen – wie bei unserem Beispielsehepaar Gütertrennung, beläuft sich der Pflichtteilsanspruch jedes Kindes auf 1/6.

Das bedeutet, dass die beiden Kinder nach aktuellem Zustand einen sofort fälligen Zahlungsanspruch von insgesamt 33% des Nachlasses gegen den überlebenden Ehegatten geltend machen können, im Beispielsfall wären dies 660.000 Euro (entweder vom Unternehmen, wenn der Unternehmer stirbt oder vom Immobilienvermögen, wenn die Ehefrau stirbt).

Bei Zugewinngemeinschaft beliefe sich dagegen der Anspruch lediglich auf 25%, also 500.000 Euro. 8% Differenz, hier also zB 160.000 Euro… Hierbei ist es übrigens unerheblich, ob nach Vertragsabschluss tatsächlich noch ein Zugewinnanspruch beim Ehepartner entstanden ist.

Hier zu handeln ist vor allem deshalb wichtig, weil der Pflichtteilsanspruch – was viele nicht wissen – ein Zahlungsanspruch ist. Die Pflichtteilsberechtigten können also Geld verlangen, und müssen sich nicht mit einer Unternehmensbeteiligung oder einem Grundstück zufrieden geben. Sind die Werte im Unternehmen gebunden, verursacht das naturgemäß beim überlebenden Ehepartner erhebliche Liquiditätsprobleme, wenn die Kinder auf ihren Pflichtteilsansprüchen bestehen.

Natürlich sollte man sich im einzelnen darüber beraten lassen, bevor man den Notar besucht.

Bei „alten“ Ehepaaren greifen die Überlegungen, wegen derer früher vielleicht einmal Gütertrennung vereinbart wurde, heute häufig nicht mehr. Schließlich haften Ehepartner nicht für die Schulden des jeweils anderen, und dies ist unabhängig davon, ob man Gütertrennung oder Zugewinngemeinschaft vereinbart hat. Eine Scheidung im Alter  ist natürlich nicht ausgeschlossen – aber viele Ehepartner können das Risiko doch nunmehr besser einschätzen. Außerdem wäre dann nur der ab dem jetzigen Vertragsschluss angefallene Zugewinn auszugleichen – und das ist in der Regel wohl ein überschaubares Risiko.

Erbschaftssteuerlich ist die Zugewinngemeinschaft ebenfalls begünstigt – allerdings nur für den Zugewinn, der zeitlich ab Vertragsschluss entstanden ist.

Zusammengefasst: Ist Gütertrennung vereinbart, sollten sich Ehepaare unbedingt beraten lassen, ob dies auch heute noch die richtige Entscheidung ist.

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in eigener Sache, Lösungen für Unternehmer, Unternehmensnachfolge

Fachanwalt für Erbrecht – weiterer Schwerpunkt

Nun geht es los: Ab morgen sitze ich in der Fortbildung für den Fachanwalt für Erbrecht. Dass ich mich zunehmend der Unternehmensnachfolge widme, mich also darum kümmere, dass Unternehmer ihr Unternehmen gut in die nächste Generation übertragen können, lässt es konsequent erscheinen, nach dem Zusatzstudium „Zertifizierter Unternehmensnachfolgeberater“ (zentUma e.V.) nun diesen weiteren Fachanwaltstitel anzustreben.

Dafür muss einerseits der Kurs mit 120 Kursstunden und 3 Klausuren zu je 5 Stunden erfolgreich absolviert sein, andererseits muss die praktische Erfahrung nachgewiesen werden. Dies erfolgt durch die sogenannte „Fall-Liste“, in der innerhalb von 3 Jahren mindestens 80 Akten in den unterschiedlichen erbrechtlichen Fachgebieten dargestellt werden müssen. Natürlich haben wir mit der Liste schon angefangen, und als ich eben reinschaute, war ich selbst überrascht, dass ich aktuell rund 50 Akten mit erbrechtlichem Bezug führe, natürlich ganz überwiegend für Unternehmer (Im Gesellschaftsrecht sind es rund 100 Akten rund um Gründung, Gesellschafterstreit und Unternehmenskauf).

Der Schwerpunkt verlagert sich also ganz klar von der Sanierung, die mich zu Beginn meiner Selbständigkeit überwiegend beschäftigt hat, hin zur Unternehmensgestaltung, zum Unternehmenskauf und zur Unternehmensnachfolge. Die bankrechtlichen Kenntnisse wirken sich natürlich gemäß auch in diesen Fällen positiv aus, schließlich geht es auch bei diesen Fällen oft um die Finanzierung und in diesem Zuge um Bankverhandlungen. Gleichzeitig ist die eigene langjährige Erfahrung als Unternehmerin sicherlich hilfreich für die Mandanten, wenn es darum geht zu entscheiden, wie sie ihr Unternehmen heute und in Zukunft gestalten möchten. Dass wir großen Spaß daran haben, diese Projekte kreativ zu lösen, finden die Mandanten positiv. Auch wenn die Themen ernst und schwerwiegend sind, darf man sich ihnen doch mit Humor nähern – dann tut auch die Beschäftigung damit nicht so weh…

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Lösungen für Unternehmer, Unternehmensnachfolge, Unternehmensverkauf

Unternehmenskauf – Chancen kaufen, nicht Risiken

Welcher Unternehmer wünscht sich das nicht: Das unterbewertete Unternehmen zu finden, zu kaufen, und dann damit dicke Gewinne zu erzielen. Vielleicht liegt es daran, dass beim Unternehmenskauf oft eine gewisse Goldgräberstimmung eintritt. Es ist häufig nicht ganz einfach, einen Kaufinteressenten davon abzuhalten, ein Unternehmen zu kaufen, in das er sich „verliebt“ hat, obwohl die Unternehmensprüfung zahlreiche Risiken festgestellt hat.

Noch prüfen gerade  kleinere Unternehmen das zu erwerbende Unternehmen nicht besonders gründlich. Die Zahlen des Steuerberaters des Zielunternehmens werden unbesehen geglaubt und dann wundert man sich, dass es mit der Unternehmensfortführung nicht wie erwartet klappt.

Nicht ohne Grund geht die Rechtsprechung inzwischen davon aus, dass ein Geschäftsführer sich schadenersatzpflichtig macht, wenn er ein Unternehmen kauft, ohne es vorher gründlich auf Herz und Nieren zu prüfen in der sog. due diligence. Dennoch wurde mir kürzlich sogar vorgehalten, der Verkäufer würde gekränkt den Verkauf absagen, wenn man das Unternehmen zu gründlich unter die Lupe nehmen wolle, weil er dies als ehrabschneidend empfinde. Die Katze im Sack zu kaufen kann aber ja nun nicht die Lösung sein.

Interessante Themen, die man sich im Zuge einer due diligence anschauen sollte, sind z.B. die bisherige „Performance“ des Unternehmens beim Finanzamt. Gibt es noch offene Betriebsprüfungen oder waren bei den letzten Betriebsprüfungen erhebliche Nachzahlungen zu leisten? Das muss kein Beweis dafür sein, dass der aktuelle Inhaber eine riskante Bilanzierungspolitik fährt. Da Unternehmensübernehmer aber unter Umständen für Steuerschulden haften, sollte man sich die Zahlen dann zumindest näher ansehen.

Dasselbe gilt, wenn man den Betrieb unter dem alten Namen fortführen möchte – dann ergibt sich gem. § 25 HGB eine Haftung für die alten Verbindlichkeiten des übernommenen Unternehmens. Es gibt Möglichkeiten, dies zu vermeiden – aber das muss man eben gestalten.

Ein besonders heikles Thema ist der § 613a BGB, also die Haftung für die Verbindlichkeiten des übernommenen Betriebs gegenüber seinen Arbeitnehmern und Betriebsrentnern. In diesem Zusammenhang sind insbesondere die Pensionszusagen des Betriebs zu beleuchten, ob diese ausreichend besichert sind oder ob sie den Betrieb zukünftig ruinieren werden.

Nicht zu letzt sollte man sich vergewissern, dass das Unternehmen für alle Produkte, die es verkauft, auch tatsächlich alle notwendigen Schutzrechte besitzt und dass nicht eine anstehende Gesetzesänderung das Geschäftsmodell zerstört.

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